Zusammenfassung
- Cyberkriminelle können eine Schwachstelle in nur 24 bis 48 Stunden ausnutzen, während Unternehmen im Durchschnitt 43 Tage benötigen, um sie zu beheben.
- Entscheidend ist nicht mehr, mehr Schwachstellen zu patchen, sondern diejenigen zu priorisieren, die das größte Risiko für das Unternehmen darstellen.
- Automatisierung und risikobasiertes Schwachstellenmanagement helfen, die Reaktion zu beschleunigen und die Cybersicherheitslage zu stärken.
Es ist nicht immer möglich, Schwachstellen so schnell zu patchen, wie Hacker sie ausnutzen. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, wie sehr sich diese Lücke vergrößert hat.
FortiGuard Labs schätzt, dass die Zeit zwischen der Offenlegung einer kritischen Schwachstelle und ihrer aktiven Ausnutzung stark auf 24 bis 48 Stunden gesunken ist. Im Gegensatz dazu zeigt der Data Breach Investigations Report 2026 von Verizon, dass Unternehmen im Median 43 Tage benötigen, um die Behebung von Schwachstellen abzuschließen.
Wie viele Führungskräfte im globalen Finanzsektor nur allzu gut wissen, kann in den Tagen und Wochen zwischen der Ausnutzung einer Schwachstelle und der erfolgreichen Bereitstellung eines Patches erheblicher Schaden entstehen.
Aus Sicht von Branchenführern entwickeln sich beide Zahlen in die falsche Richtung. Früher war es üblich, dass Hacker eine Woche benötigten, um eine Schwachstelle auszunutzen. Auch der Patch-Prozess war früher schneller: Der aktuelle Wert von 43 Tagen ist ein Anstieg gegenüber den 32 Tagen, die zwölf Monate zuvor verzeichnet wurden.
Hacker werden schneller.
Patching wird langsamer.
Hackern hinterherzujagen ist nicht die Antwort
Es mag naheliegend erscheinen, Hackern weiter hinterherzujagen, indem man reaktiv so viele Schwachstellen wie möglich identifiziert und patcht.
Doch das ist nicht unbedingt die beste Option.
Stattdessen sollten Finanzinstitute weltweit ernsthaft in Betracht ziehen, proaktives Patch-Management zu priorisieren. Anstatt zu versuchen, möglichst viele Schwachstellen zu patchen, bedeutet Priorisierung, die richtigen Schwachstellen zu beheben. Dazu gehören Modelle wie risikobasiertes Schwachstellenmanagement, bei dem Fragen gestellt werden wie: Welche Schwachstellen stellen das größte Risiko für das Unternehmen dar? Wie kritisch sind die betroffenen Assets? Wie wahrscheinlich ist eine Ausnutzung? Welche potenziellen betrieblichen Auswirkungen hätte eine Ausnutzung?
Diese Fragen können helfen, die Reaktion zu priorisieren und IT- und Sicherheitsteams strategischeres Arbeiten zu ermöglichen. Dies ist besonders wichtig angesichts des wachsenden Cyberdrucks, dem Finanzinstitute weltweit ausgesetzt sind, während sie zunehmend komplexe IT-Umgebungen verwalten.
Die richtigen Kennzahlen messen
Laut einem neuen Bericht zum Stand der Cybersicherheit betrachten 57 % der Sicherheitsexperten Software-Schwachstellen als hohe oder kritische Bedrohung, während nur 27 % angeben, sehr gut vorbereitet zu sein. Diese Lücke von 30 Prozentpunkten hat sich in nur einem Jahr um 11 Punkte vergrößert.
Bevor Sie Patches effektiv priorisieren können, müssen Sie die richtigen Kennzahlen messen. Der Bericht zeigt, dass nur 51 % der Unternehmen einen Score für die Cyberrisikoexposition oder einen anderen risikobasierten Index verwenden. Die übrigen stützen sich auf Prozesskennzahlen wie die mittlere Behebungszeit (Mean Time to Remediate, 47 %) oder den Anteil behobener Expositionen (41 %): Indikatoren für Geschwindigkeit und Abdeckung, die wenig darüber aussagen, ob sich die Risikolage tatsächlich verbessert hat. Jedes dritte Unternehmen gibt an, Schwierigkeiten zu haben, die Risikobehebung in Bereichen wie dem Patch-Management zu priorisieren.
Automatisierung kann helfen
Da IT- und Sicherheitsteams bereits stark ausgelastet sind, kann eine operative Veränderung eher wie eine zusätzliche Komplikation als wie eine Hilfe wirken. Automatisierung kann einen Teil dieser Belastung verringern, allerdings nur, wenn sie richtig umgesetzt wird. Der Bericht zum Stand der Cybersicherheit ergab, dass 92 % der Sicherheitsexperten sagen, Automatisierung verkürze die mittlere Reaktionszeit ihrer Teams. Allerdings nutzen nur 42 % KI für die Reaktion auf Schwachstellen und deren Behebung.
Automatisierung hat das Potenzial, bereits verfügbare Informationen besser zu nutzen. Sie kann schnellere Entscheidungen und eine Priorisierung auf Grundlage der spezifischen Risiken jedes Unternehmens ermöglichen. Der Trend zu risikobasiertem Schwachstellenmanagement, unterstützt durch Automatisierung, ist bei vielen der weltweit führenden Finanzinstitute bereits deutlich erkennbar – und die übrige Branche sollte dies zur Kenntnis nehmen. Hacker werden nicht weniger ambitioniert.